Das Nutzen von Zwangs-Schreibpausen

Mit Schreibpausen muss man immer rechnen, vor allem wenn man noch nicht genügend Erfahrung hat. Der Plan, also Expose und Treatment, stand, schien geradezu perfekt zu sein. Aber das ist bisher mehr Dramaturgen- als eigentliche Autorenarbeit gewesen. Dramaturgen können es sich leisten, auf einer gewissen Abstraktionsebene zu denken und zu arbeiten. Das reicht. Autoren müssen hingegen extrem konkret werden können.

Nun sitzt man endlich am Drehbuch und es hakt. Man kommt nicht voran, zweifelt an den Sätzen, die man geschrieben hat. Das tut weh. Soll man sich jetzt noch ein weiteres Buch kaufen, einen weiteren Workshop besuchen? Nein, es geht nun nicht mehr um noch mehr Wissen, sondern um Können. Geduld ist angesagt. Kreative Arbeit lässt sich nicht zwingen. Schreibt man trotzdem weiter, wird nur Mittelmäßig bis Schlechtes dabei herauskommen. Man muss aufhören, Pause machen! Entscheidend wird sein, wie man die Pause nutzt.

Typische Situationen und was man tun kann

Am Anfang ist es ganz gut gelaufen, aber plötzlich kommt man nicht mehr weiter. Das ist auch für Erfahrenere eine nicht gerade seltene Situation. Was kann man machen?

  • Man versucht so klar und einfach wie möglich das Problem für sich zu formulieren. Das schreibt man auf, liest es sich vor dem Schlafengehen noch mal durch und legt sich ins Bett. Sehr oft hat man dann am Morgen eine Lösung. Wieso? – Man hat das Problem in die Kiste ,Unterbewusst‘ gelegt und es zur Schlaf- und Traumbearbeitung abgegeben.

Es ist alles so mühsam, so schwierig. Das deutet darauf hin, dass sich kein Flow einstellt. Es fließt nicht, weil im Moment des Schreibens nichts automatisch aus der Schatzkammer des Unbewussten hinzu kommt. Man ist also noch nicht so weit. Das kann verschieden Gründe haben und zu verschiedenen Maßnahmen führen.

  • Es liegt an meiner Geschichte. Dann muss ich wie beim Monopoly wieder zurück auf Treatment und daran weiterarbeiten. Eine intensivere Beschäftigung damit wird einen sicher dazu bringen, konkreter zu werden.

Man kann einfach nicht konkret genug werden. Man ist zwar ein Crack in Makrodramaturgie, aber hat Schwächen in Mikrodramaturgie. Heißt: man weiß nicht genau und anschaulich genug, was in der nächsten Sekunde passiert.
Vom Ergebnis her lernen, wie Film geht.

  • Da gibt es nur einen Rat: üben, tun. Täglich. Es wird kommen. Man wird das lernen.

Es ist ganz schön, was man zu Papier gebracht hat, es liest sich gut, aber es ist wie eine Prosa-Erzählung. Plötzlich fällt einem auf, dass man Sätze geschrieben hat, die unverfilmbar sind. Man ist kein Dramatiker, geschweige dann Drehbuchautor. Die Regel SHOW! DONT TELL fällt einem ein. Was kann man tun?

  • Sich eine Woche lang in einen Schneideraum setzen und der Cutterin, die das Filmmaterial schneidet, montiert, einfach zuschauen. Aber in einer frühen Phase, wenn der Regisseur noch nicht dabei ist. Und bitte nicht in das Drehbuch schauen, das da irgendwo im Schneideraum liegt. Man soll vom Ergebnis her lernen, wie Film geht. Und das funktioniert konkret schauend besser als denkend. Man lernt, wie elementar im Film der Schnitt ist, sowohl in der Szene selbst und auch von Szene zu Szene. Einmal eine Woche Schneideraum und man wird ab da auch Filme bewusster sehen. Nämlich wie sie gemacht sind. Und diese Grunderfahrung braucht man als Drehbuchautor. Film erzählt ungeheuer ökonomisch, nicht so ausladend wie Prosa. Weil Schnitt Sinn schafft und ideale Übergänge ermöglicht.

Die Dialoge, die man geschrieben hat, sind einfach schlecht, leblos, hölzern. Dafür wird es im Folgenden ein besonderes Kapitel geben.

  • Was eine so erzwungene Schreibpause betrifft: ideal wäre, eine Woche bei Theaterproben zuschauen, nicht den Endproben, sondern den „Findungsproben“. Man lernt da, dass alles Gesprochene einen inneren Vorlauf hat. Den muss man als Autor kennen. In einen Schneideraum kommt man leicht rein, in eine Theaterprobe nur ganz schwer. Weil Schauspieler dort ihr Innerstes zeigen und dabei nur von Insidern und guten Bekannten beobachtet werde wollen. Reinkommen wird man wahrscheinlich nur durch persönliche Beziehungen. Aber man kann als Alternative auch ein Stück von Anton Tschechow lesen, egal welches, und es so lesen, dass man hinter das ,Geheimnis‘ von Dialog kommt.

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