Die Detailkontrolle

Das Drehbuch hat Gestalt angenommen. Wir sind durchgekommen und haben das Traumwort aller Autoren hingeschrieben: ENDE.

Dann beginnt ein wider Erwarten schwieriger Prozess. Bevor wir unser Drehbuch Anderen zu lesen geben oder gar irgendwo anbieten, müssen wir eine Funktion einnehmen, die gar nicht leicht ist. Wir müssen redigieren, Redakteur unserer selbst sein.

Das beginnt mit der leidigen Rechtschreibung-Prüfung. Computergeschriebene Drehbücher, und das dürften inzwischen 99% sein, haben ja meistens bei Fehlern eine Unterstreichung von roten Punkten. Aber die muss nicht immer richtig sein und man sollte sich nicht darauf verlassen. Bei all diesen programmierten Hilfen merkt man oft, wie dumm Computer sein können.

Vor allem, wenn die Geräte meinen, selbstständig Worte korrigieren zu müssen. Dabei kommen die absurdesten Wortkonstruktionen zustande, ohne das man das vielleicht bemerkt hat. Auch auf Komma-Setzung sollte man noch einmal achten.
Mit der eigentlichen Kreativität hat Rechtschreibung wenig zu tun.
Ich habe oft erlebt, dass Redakteure sich wie Studienräte oder Verlagslektoren aufführen, vergessend, dass ein Drehbuch nicht gedruckt wird und nur eine Vorlage für einen Film ist, also derlei Fehler im Film gar nicht sichtbar werden können.

Aber immer da, wo ein Komma die Eindeutigkeit des Sinns markiert, ist Vorsicht geboten. Es geht also bei diesem Prüfungsvorgang hauptsächlich darum, einen guten Eindruck zu machen. Mit der eigentlichen Kreativität hat Rechtschreibung wenig zu tun, man möchte aber nicht als ungebildet oder schlampig da stehen.

Das eigentliche Problem beim Selbstredigieren ist aber ein anderes. Je vertrauter man mit einem Text ist und wer kann vertrauter sein als der Autor selbst, desto größer ist die Gefahr des Überlesens. Das hängt damit zusammen, dass man alles, was man selber geschrieben hat, einfach mit viel höherem Tempo liest als der Erst-leser eines Fremdtextes. Somit empfiehlt es sich für die Ausmerzung von solch kleinen Fehlern, seinen Text jemand anderem zu lesen geben. Partner oder Freunde kann man dafür empfehlen.
Spannungen entstehen dadurch, dass immer noch ein bisschen Frage bleibt.
Das weitere Problem ist eine gewisse Blindheit den eigenen Texten gegenüber. Ist man mit der schriftlichen Entäußerung seiner Gedanken und Vorstellung klar genug?

Das gilt es jetzt zu prüfen. Und das macht man am besten Szene für Szene. Nicht auf das Ganze blicken, wozu schnelles Lesen einlädt, sondern ganz diszipliniert nur immer jede einzelne Bildnummer anschauen. Natürlich mit den beiden Übergängen von der Vor-Szene und zur Nach-Szene. Dabei kann man auch gut kontrollieren, ob sich Sequenzen ergeben haben und ob diese im Rhythmus zu spüren sind. Also das Einschwingen in eine Sequenz und das Ausschwingen.
Innerhalb der Sequenz empfehlen sich zumeist harte und schnelle Übergänge, eben jene Schnitte, die Sinn stiften.

By this way wird man ganz automatisch noch mal darauf achten, ob einerseits jedes Bild auf den Punkt gebracht ist und andererseits, ob man nicht schon zu viel verraten hat. Denn die für Film so wichtigen Spannungen entstehen ja für den Zuschauer dadurch, dass immer noch ein bisschen Frage bleibt. Das hält das Interesse wach und verhindert für den späteren TV-Film die Publikumsabstimmung durch Wegzappen und das Einschlafen älterer Zuschauer.

Und bei der Gelegenheit kann man auch noch darauf achten, dass diese Fragen dann in einem angemessenem Zeitraum beantwortet und geklärt werden. Da sich hoffentlich inzwischen neue Fragen aufgebaut haben, bleibt die Spannung bis nach dem zweiten Plot Point erhalten.

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