Drei-Akt-Struktur I: Struktur ist wichtig. Aber nicht so wichtig.

Eine Geschichte wird nicht gut, nur weil sie strukturell gut entwickelt ist. Das wird von einigen Experten zwar immer wieder behauptet. Aber selbst wenn man die Struktur nach Lehrbuch entwirft und beispielsweise den ersten Wendepunkt wie empfohlen auf die vermeintlich richtige Seite setzt, ist das keine Garantie dafür, dass die Geschichte gut ist. Solche Vorgaben sind kompletter Blödsinn. Zu viele hervorragende Filme dürften dann überhaupt nicht funktionieren.

Und wenn man vergleicht, wie viele schlechte und wie viele gute Filme eine Lehrbuch-Drei-Akt-Struktur haben, dann sind die angeblichen Erfolgsgarantien, die so mancher Drehbuch-Guru für die Anwendung seiner Rezepte gibt, eher Garanten für Misserfolg. Was schlicht und einfach daran liegt, dass es keine Rezepte gibt, an die man sich lediglich halten muss, um eine gute Geschichte zu entwickeln. Wie die Heldenreise so ist auch die Drei-Akt-Struktur ein flexibles Modell, und man beraubt es seiner Lebendigkeit, wenn man es in starre Rezepte und Seitenzahlenvorgaben presst.

Die Drei-Akt-Struktur stellt sicher, dass der Konfliktaufbau funktioniert, nicht aber, dass die Geschichte gut ist.

Eine gut entwickelte Drei-Akt-Struktur stellt sicher, dass der Konfliktaufbau funktioniert, nicht dass der Konflikt selbst und damit die Geschichte gut ist. Allerdings ist ein funktionierender Konfliktaufbau eine notwendige Voraussetzung für eine gute Geschichte. Viel wichtiger für die dramaturgische Qualität einer Geschichte als die Drei-Akt-Struktur sind deshalb die Figuren – ihre Lebendigkeit, Mehrdimensionalität, Originalität, ihre Beziehungen zueinander und die Dynamiken innerhalb dieser Beziehungen, ihre inneren und äußeren Konflikte, ihre Charakterentwicklung – und die inhaltlichen und emotionalen Themen, über die die Geschichte erzählt.

Wenn man die Grundanlage des Konfliktes klar definiert hat – klare Hauptfigur, starkes dramatisches Ziel, ausreichende Motivation und Fallhöhe, starke antagonistische Kraft, Charakterentwicklung, Auflösung des Konfliktes im Höhepunkt –, dann muss man sich über die Drei-Akt-Struktur gar nicht so viele Gedanken machen. Sie ergibt sich dann fast von alleine. Anders herum gesehen: Hat man Probleme, die Geschichte zu strukturieren, dann stimmt in der Grundanlage etwas nicht. Hieran gilt es dann zu arbeiten, statt zu versuchen, die Struktur zu verbiegen. Probleme mit der Struktur haben ihre Ursachen in den Figuren. Sie weisen auf einen Mangel in der Figurenentwicklung hin.

Stimmt die Grundanlage des Konfliktes, dann gibt es gar nicht so viele Möglichkeiten, die Geschichte zu strukturieren. Viel Raum für Originalität ist hier nicht und das Streben danach ist eher hinderlich.

Das Streben nach Originalität in der Strukturentwicklung ist eher hinderlich.

Wenn beispielsweise die beiden Liebenden im Höhepunkt zusammen kommen, dann sind sie im zweiten Wendepunkt voneinander getrennt und zwar so weit, dass man sich nicht vorstellen kann, wie sie jemals wieder zueinander finden können. Ist ja irgendwie auch logisch: Zweien dabei zuzuschauen, wie sie sich die ganze Zeit über lieben, ist langweilig – im echten Leben zwar ein Traum, dramaturgisch aber der totale Albtraum. Wo soll die Spannung im dritten Akt herkommen, wenn sie im zweiten Wendepunkt schon glücklich vereint sind? Ist der zentrale Punkt positiv, der zweite Wendepunkt positiv und der Höhepunkt auch, dann ist das öde. Ist der zentrale Punkt negativ, der zweite Wendepunkt negativ und der Höhepunkt negativ, dann ist das depressiv. Weder das eine noch das andere will man unbedingt sehen. Also wird abgewechselt. Und das begrenzt die Möglichkeiten der Plotentwicklung.

Die Drei-Akt-Struktur entscheidet zwar nicht darüber, ob eine Geschichte gut ist oder nicht. Man muss den Umgang mit ihr aber dennoch beherrschen und ihre Funktionsweise verinnerlichen, um ein Gefühl dafür zu entwickeln, wie Konflikte funktionieren (die so übrigens auch im echten Leben funktionieren). Und das gelingt am besten, indem man Filme analysiert. Bis zum Abwinken.

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