Endkontrolle – Das Drehbuch in toto dargestellt

Die Prozesse von Kontrolle und Redaktion des eigenen Werkes sind mühsam. Und es besteht die Gefahr des Blindwerdens und des Überdrusses wegen zu häufiger Lektüre. Gelegentlich auch Anflüge von Kontrollwahn. Wir haben in den letzten Beiträgen den Akzent auf die Details gelegt, nun aber noch ein letzter Versuch einer kontrollierenden Gesamtschau.

Da liegt das Buch mit ca. 100 hintereinander gelegten Seiten. Man hat es natürlich im Kopf, aber auch dort ist es schon wegen des Plots in einem Hintereinander abgelegt.

Wie kann man einen Gesamteindruck quasi auf einen Blick bekommen? Man muss das Medium wechseln und zu einer Art graphischen Darstellung kommen. Dazu reichen die üblichen Din A 4 – Blätter nicht aus. Es sei denn man klebt viele hochkant nebeneinander. Besser vielleicht eine Rolle Packpapier. Man braucht den ganzen Schreibtisch oder man klebt das Papier an die Wand.

Und dann nimmt man sich einen dickeren Stift, Filzer oder Edding und zeichnet nun sein Buch oder besser gesagt seine Struktur auf. Auf dem Blatt nebeneinander steht jetzt für jede Bildnummer eine Spalte, in die man einträgt:

  • Ort
  • Innen/Aussen
  • Tag/Nacht
  • Kurzüberschrift: worum es geht
  • Die Personen
  • Die Sequenzen

Praktisch wäre es mit verschiedenen Farben zu arbeiten. Wegen der schnellen Anschaulichkeit.
Vor dem „Bild“ des eigenen Buches auf- und abgehen
Es ist schon ein Problem seine ca. 60 Bilder auf ein großes Blatt zu bekommen. Für den Kontrollprozess muss das aber übersichtlich und klar auf einen Blick erfassbar sein. Wenn es an der Wand hängt, hat es sicher seinen Reiz vor dem „Bild“ seines Buches auf- und abzugehen. Der Beweis, dass es kein Kleinwerk ist.

Man sieht und kann jetzt leicht überprüfen:

  • wie viele Tag/Nacht-Wechsel. Hat man das überhaupt bedacht? Der Tag/Nacht-Wechsel strukturiert ja jeweils einen neuen Tag, nicht unbedingt den kalendarisch nächsten
  • wie sehen die Sequenzen quantitav aus: wie lang sind sie, wie viele gibt es?

Das Wichtigste aber nun: Die Personen – on/off – Kontrolle. Für jede Person, die in einem Bild nicht vorkommt, also im Off ist, sollte man sich die Frage stellen:

  • wo ist sie?
  • was macht sie?
  • war es richtig, sie im off „weiterleben“ zu lassen?

Oder könnte es vielleicht gut sein, sie nochmal zu zeigen, vielleicht nur ganz kurz. Wenn ja an welcher Stelle? Bringt das was für die Geschichte, ohne die Struktur zu verändern? Bringt es etwas als Unterschneidung?

Es geht nicht um das Große Ganze, das in dem Stadium des Films hoffentlich funktioniert. Es geht um letzte Optimierungen. Im Film ist das Leitmedium das Bild. Personen müssen gesehen werden können! Der Vorteil gegenüber dem Theater-Drama.

Und dieser ÜBERBLICK über den ganzen Film sollte sich als Bild einprägen und uns eine letzte Sicherheit geben. Und so stärker machen für die bald folgenden Drehbuch-Besprechungen.

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