Link: Copyright Lives Forever

Urheber- und Verwertungsrechte sind im Vergleich zu anderen Medien schon beim Film keine einfache Sache, wegen der vielen Beteiligten. Wie muss das erst bei Videospielen aussehen. Dabei entstehen Verwirrungen, die manchmal bedauerliche Folgen haben. Im folgenden Fall bedauerliche Folgen für Videospielgeschichte und -konservierung, weil Firmen auf Rechten sitzen, bei denen sich niemand, nichtmal sie selbst, sicher ist, ob sie die überhaupt haben.

Videospiele altern deutlich schneller als andere Medien: Hard- und Software entwickeln sich weiter, und Spiele werden nur sehr selten an die neuen Bedingungen angepasst. Irgendwo habe ich noch Wacky Wheels (Video) auf einer Diskette, nur kein Diskettenlaufwerk mehr. Nie wieder werde ich gleichzeitig Autofahren und Elche mit Igeln beschießen können. Und das Spiel, um das es hier gehen soll, The Operative: No One Lives Forever, wurde für Windows 95 und 98 entwickelt. Das hat auch niemand mehr, nicht auf dem Schirm, nicht auf dem Rechner.
… wie die geheimen Lagerhallen aus Indiana Jones …
Das ist ein echtes Problem, denn Videospiele sind Kulturgut und sollten als solches konserviert werden können. Und das heißt, die passende Hard- und Software muss gleich mit konserviert und in Stand gehalten werden. Um die andere Möglichkeit haben sich die Videospielentwickler Night Dive Studios (Wikipedia (en)) verdient gemacht: Das Re-Release. Sie erwerben die Rechte alter Spiele, überarbeiten den Code, damit er auf modernen Geräten und Systemen funktioniert und wieder-veröffentlichen das Spiel.

Wenn es ihnen denn erlaubt wird.

Teile der Rechte von The Operative: No One Lives Forever (Wikipedia) liegen möglicherweise bei Warner Bros., Activison Blizzard und 20th Century Fox – ich schreibe möglicherweise, weil keine der Firmen so genau weiß, ob sie die Rechte tatsächlich hat. Verschiedene Firmen waren am Spiel beteiligt, die von verschiedenen Firmen aufgekauft wurden. Die Verträge sind zu alt (1999!) und befinden sich nicht in den digitalen Datenbanken, sondern verstauben ganz analog irgendwo in Kisten. Der Geschäftsführer von Night Dive stellt sich das gern wie die geheimen Lagerhallen aus Indiana Jones vor (Kirk Hamilton: „The Sad Story Behind A Dead PC Game That Can’t Come Back“ bei Kotaku).
No one owns enough of the rights to sell the rights, but they own enough to sue someone for using them.
Alle drei möglichen Rechteinhaber sind nicht bereit, herauszufinden ob sie über die Rechte verfügen. Beziehungsweise: Sie sind nicht bereit, es im Vorfeld zu tun, um mit Night Dive über die Rechte zu verhandeln. Sollte Night Dive einen Re-Release des Spiels planen, ohne die Rechte zu klären, würde natürlich geklagt. Dafür würde man dann wohl auch in den staubigen analogen Kisten suchen. Night Dive hat, nach zwei Jahren des ergebnislosen durch die Gegend Kommunizierens, aufgegeben. Es wird kein Re-Release von No One Lives Forever geben. Schade.

The best part is: Night Dive actually has the trademark for No One Lives Forever right now, because no one else did and they filed for it. Their plan was, we’ll file for it and then whoever thinks they own the rights will threaten us and then we can deal with them. Which was a cool idea, but all they got out of it was Warner Bros. saying, if they actually made a game with using that trademark, then the hammer would fall. No one owns enough of the rights to sell the rights, but they own enough to sue someone for using them.
LoadingReadyRun: CheckPoint 180 – Copyright Lives Forever (Link)

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