Von der Idee zur Story: Plotten

Ist die langwierige Ideensuche erst einmal vorbei, geht es darum, aus vielen Gedankenschnipseln eine dramaturgisch funktionierende Geschichte zu machen. Sobald wir an den konkreten Aufbau der Story gehen, zeigt sich, dass es sinnvoll war, sich bei der Ideensuche Zeit zu lassen. Vieles hat sich im Kopf schon zusammengesetzt, trotzdem aber gibt es zahllose Lücken, die es zu stopfen gilt.

Nachdem wir uns mit der Logline und Kurzoutline einen ersten Anker in Form einer kurzen Zusammenfassung des Themas und der Absicht des Protagonisten gesetzt haben, haben wir uns der Geschichte unseres Drehbuchs weiter angenähert, indem wir die Geschichte des Haupthandlungsstrangs als Kurzgeschichte formuliert haben.

Aber heißt das, dass wir jetzt mit der ersten Szene beginnen und das Drehbuch schreiben können? Können ja, sollen … Vielleicht noch nicht ganz. Denn vorher steht das Plotten.

Akte, Sequenzen und Szenen – der Plot verdichtet sich

Ein Langfilm, aber auch ein Pilotdrehbuch oder eine Serienepisode sind klassischerweise in Akte aufgeteilt. Neben dem üblich gewordenen 3-Akt-Modell finden sich auch 4- oder sogar 5-Akter, die einen dramaturgischen Aufbau ähnlich den klassischen Theaterstücken der Antike besitzen. Um Verwirrung zu vermeiden, konzentriere ich mich in diesem Artikel auf das 3-Akt-Modell, das in etwa folgende Aufteilung besitzt:

  1. Akt = 25% | 2. Akt = 50% | 3. Akt = 25%

Der erste Akt dient – wie schon bei unserem guten Freund Aristoteles – der Exposition und markiert den Konflikt der Handlung.

Der zweite Akt erzählt den Weg des Helden und dessen Herausforderungen und Konflikte aus. Er enthält wichtige Wendepunkte und zeigt uns alle Facetten der Figuren. Häufig sieht es am Ende des zweiten Akts so aus, als würde die Hauptfigur in direkter Linie auf die Katastrophe zusteuern.

Der dritte Akt dient der Auflösung und reißt (in der Regel) das Ruder noch mal herum. Im klassischen amerikanischen Helden-Movie kann der Protagonist mal eben – against all odds – doch noch die Welt retten. Happy Ends sind aber glücklicherweise nicht verpflichtend.

Den Plot in Häppchen aufteilen: Step-Outline vs. Sequenzmodell

Um sich das Plotten zu erleichtern, hilft es, die Story in viele kleine Happen aufzuteilen. Niemand schreibt aus dem Gedächtnis mal eben einen ganzen Akt herunter. Und wer das behauptet, ist entweder ein seltenes Genie oder ein ziemlich Hochstapler.

Um hinterher einen guten Überblick zu erhalten, was im Drehbuch passieren soll und Haupt- und Nebenhandlung miteinander zu verknüpfen, gibt es verschiedene Herangehensweise, von denen ich hier die Step-Outline und das Sequenzmodell vorstellen möchte.

Step by Step: Die Step-Outline

Ein praktisches Werkzeug, um die Handlung in all ihren Schritten darzustellen, bevor das Drehbuch „heruntergeschrieben“ wird. Man nennt die Step-Outline auch Beat Sheet. Wie der Spickzettel damals in der Schule können wir ihn nämlich während des Drehbuchschreibens aus der (virtuellen) Tasche ziehen und wissen schnell wieder, wie es weitergeht.

Das Ziel der Step-Outline ist, sämtliche dramaturgische Schritte, die die Story braucht, in einer Kurzfassung festzuhalten. In ihrer ausführlichsten Form tut die Step-Outline das für jede einzelne Szene und kann bereits Hinweise auf Dialoge oder Figurenhandlungen vermerken.

Praktisch ist die Step-Outline vor allem durch ihre Übersichtlichkeit: Im Gegensatz zu Exposé und Treatment, die als Fließtext formuliert werden, geht die Outline nur so weit ins Detail wie nötig. Lücken werden schnell gefunden und können nachträglich gefüllt werden. Während wir das Drehbuch später im besten Fall vom Opener bis zum Finale in einem Rutsch durchschreiben, ist es bei der Step-Outline erlaubt, zwischen Szenen und Akten zu springen. Ob man dabei schon die Szenen durchnummeriert, ist Geschmackssache.

Anstoß, Plotpoints & Midpoint: Das Sequenzmodell

Eine andere übersichtliche Variante, den Plot in einzelne Abschnitte aufzuteilen, ist das Sequenzmodell, das in Form einer Tabelle oder eines Zeitstrahls funktioniert. Orientiert an der Aufteilung des 3-Akt-Modells (25:50:25) zerschneiden wir den Plot in acht Sequenzen. Dabei fallen dem 1. und 3. Akt je zwei Sequenzen zu, dem 2. Akt dagegen vier.

In einem zweiten Schritt markieren wir Anstoß, den Midpoint sowie die beiden Plotpoints, die die Wendepunkte der Story darstellen:

Sequenzmodell Skizze

Um das Sequenzmodell mit Leben zu füllen, können wir an verschiedenen Punkten ansetzen, je nachdem, wie weit die Story in unserem Kopf schon ist. Da ist z.B. der Anstoß, der die Geschichte des Helden ins Rollen bringt, bis er am Plotpoint 1 eine Entscheidung treffen muss.

Es scheint am einfachsten, vom Großen ins Kleine vorzugehen. Beginnend mit den Themen der einzelnen Akte legen wir den Anstoß und den 1. Wendepunkt (Plotpoint 1) fest. Darauf folgen Midpoint und Plotpoint 2. Ausgehend von unserem Wissen um Anfang und Schluss/Auflösung lassen sich anschließend die einzelnen Sequenzen füllen, bis der Plot komplett ist.

Schematisch arbeiten ist nicht jedermanns Sache, in dieser Phase des Schreibprozesses aber kaum zu umgehen. Oft ergeben sich aber später im Schreibprozess neue Wendungen oder Details, die man dann entsprechend einarbeitet – denn sich sklavisch an einmal erarbeitete Storyelemente zu halten, die sich später als unsinnig herausstellen, ist natürlich nicht im Sinne des Erfinders.

2 Comments

  1. Johannes Moser

    ich dachte , in letzter zeit hätte sich der
    V I E R – A K T E R im film-drehbuch
    durchgesetzt ?
    ist dem nicht so ?

    27. April 2017
  2. Das ist im Prinzip nur ein anderes Verständnis des selben Systems.

    27. April 2017

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