Wie lernt man, Exposés zu schreiben?

Exposés schreiben muss man können. Denn Exposés sind ein wichtiges Autorenwerkzeug und ein mindestens genauso wichtiges Verkaufswerkzeug. Als Autorenwerkzeug dienen sie dazu, die Geschichte in einer einfachen Form darzustellen, um sie darauf aufbauend weiterentwickeln zu können. Funktioniert die Geschichte des Exposés nicht, bekommt man Schwierigkeiten im Treatment und scheitert spätestens im Drehbuch.

Exposés sind Autorenwerkzeuge und Verkaufswerkzeuge.

Außerdem ist das Exposé wichtig, um sich später – wenn man sich verrannt hat und nicht mehr weiß, warum man die Geschichte eigentlich erzählen will – den Ausgangspunkt wieder ins Bewusstsein zu holen. Wenn ich mit in der Entwicklung der Geschichte weit fortgeschrittenen, aber ratlosen und frustrierten AutorInnen arbeite, lese ich die erste Exposéfassung und spreche mit ihnen darüber. In der Regel fällt ihnen dann wieder ein, was sie ursprünglich an dieser Geschichte gereizt hat, sie gewinnen neue Klarheit und neuen Schwung.

Als Verkaufswerkzeug ist das Exposé die „Ware“, die angeboten wird. Hier muss die Geschichte dramaturgisch funktionieren, plausibel, sinnhaft und spannend sein in dem Sinne, dass die Lesenden wissen wollen, wie sie weiter geht. Und sie muss leicht zu lesen und beim ersten Lesen sofort verständlich sein. Das ist eine unbedingte Grundvoraussetzung. Zweite Chancen gibt es selten. Ist die Geschichte im Exposé nicht verständlich, kommt die Absage. Denn professionelle Lesende wissen, dass AutorInnen, die das Exposé nicht klar formulieren können, ihre Geschichte nicht im Griff haben, sie selbst nicht verstehen oder nicht schreiben können. Wie sollen sie da ein Treatment oder gar ein Drehbuch in den Griff bekommen?

Es gibt keine zweite Chance für unverständliche Exposés.

Ein kleiner Tipp nebenbei: Es ist hilfreich, mit Rohentwürfen zu arbeiten, bevor man eine Exposéfassung schreibt: 1. Rohentwurf – Überarbeitung – 2. Rohentwurf – Überarbeitung – 3. Rohentwurf – Überarbeitung – … – 1. Exposéfassung. Rohentwürfe sind also das Autorenwerkzeug, Exposés das Verkaufswerkzeug. Der wesentliche Unterschied ist, dass es beim Erstellen der Exposéfassung auch auf Sprache, Stil, Einfachheit, Verständlichkeit ankommt. In den Rohentwürfen geht es alleine um das dramaturgische Funktionieren der Geschichte. Mit sprachlichem Ausdruck sollte man sich in dieser Phase nicht belasten und beispielsweise nicht in die Falle tappen, nicht über den ersten Satz hinauskommen, weil man unzufrieden mit ihm ist und ihn ständig überarbeitet, mit dem Ziel, einen perfekten ersten Satz zu schreiben (den es ohnehin nicht gibt). Die Arbeit am sprachlichen Ausdruck sollte ein eigener Überarbeitungsschritt sein, nachdem die Arbeit an den Rohentwürfen die Dramaturgie der Geschichte so weit entwickelt hat, dass sie funktioniert. In ihnen spielt die Sprache keine Rolle. Denn „Rohentwurf“ impliziert, dass der Text roh und nicht fertig ist und man ihn noch überarbeiten muss. Das enthemmt das Schreiben ungemein.

Rohentwürfe enthemmen das Schreiben.

Exposés schreiben muss man also können. Sie zu schreiben ist aber nicht einfach. Denn sie sind eine eigene – eigenständige und eigenartige – Textgattung, die eine andere Art des Schreibens erforderlich macht. Es gibt AutorInnen, die wunderbare Exposé, aber grausige Szenen und Dialoge schreiben. Und umgekehrt. Ein Unterschied ist die unterschiedliche Distanz zur Geschichte, die man einnehmen muss, um ein Exposé, ein Treatment und ein Drehbuch zu schreiben, die unterschiedliche Detailtiefe. Filmisch ausgedrückt: Ein Drehbuch schreibt man in einer „Naheinstellung“, ein Exposé in einer „Totalen“.

Ein Drehbuch schreibt man in einer „Naheinstellung“, ein Exposé in einer „Totalen“.

Diese „Totale“ einzunehmen kann man ganz einfach üben. Die Übung ist simple, aber sehr wirkungsvoll: Man schreibt nachträglich die „Exposés“ von bereits produzierten Filmen. Zusammenfassungen, Inhaltsangaben, Nacherzählungen. Man schaut also einen Film, setzt sich danach hin und schreibt einen Rohentwurf. Am besten einfach drauf los, was einem noch in Erinnerung ist, unabhängig von der Länge. Dann überarbeitet man ihn und kürzt ihn auf fünf Seiten, dann auf zwei Seiten, auf eine Seite, auf drei bis vier Sätze (Kurzinhalt), auf einen Satz (Logline). Und danach kommt die sprachliche Überarbeitung. Man kann auch zuerst die Logline schreiben, dann den Kurzinhalt, den Einseiter, den Zweiseiter, den Fünfseiter.

Ein einfacher Einstieg ist das Abschreiben von Serienfolgen, die abgeschlossene Geschichten erzählen, viele Krimiserien beispielsweise, einfach aufgrund der zeitlichen Länge. Man schaut eine Folge und beginnt direkt danach zu schreiben. Dann lässt man den zeitlichen Abstand zwischen Schauen und Schreiben immer größer werden bis man sich nicht mehr genau an den Inhalt der Folge erinnern kann, die man zusammenfassen will. Die Lücken füllt man dann einfach selbst auf und macht eine eigene Geschichte daraus. Auf diese Weise kommt man möglicherweise auf neue Ideen und übt gleichzeitig das Entwickeln einer Geschichte.

Wenn man lernen will, Filme zu schreiben, dann gibt es keine bessere Übung, als Filme abzuschreiben.

Diese Übung nimmt zwar einiges an Zeit in Anspruch. Aber wenn man lernen will, Filme zu schreiben, dann gibt es keine bessere Übung, als Filme abzuschreiben.

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