Link: Das Besetzungstool Neropa

Das Blog SchspIN ist jetzt drei Jahre alt. Meine Untersuchungen machen viel bis sehr viel Arbeit und sind nicht wirklich lustig, da eigentlich nie etwas Erfreuliches dabei rauskommt. Das gilt für Analysen der Gewerke hinter der Kamera, und genauso – wie heute – für die Situation vor der Kamera. Ich habe oft genug aufgezeigt, dass und wie Frauenfiguren im deutschen Film und Fernsehen benachteiligt sind: sie kommen wesentlich seltener vor, sie werden nicht so alt und sie handeln weniger. Jetzt wird es Zeit, etwas zu verändern.

Belinde Ruth Stieve (von der wir hier auch schon einmal einen Gastartikel veröffentlichen durften: Männer schreiben Drehbücher, vielen Dank!) hat im Januar in diesem Artikel auf ihrem Blog SchspIN 208 deutsche Fernsehfilme, die 2015 in der ARD und im ZDF zum ersten Mal ausgestrahlt wurden auf das Geschlecht (und Alter) ihrer Figuren hin untersucht. Auf 1001 Frauenrollen kamen dabei 1409 Mänerrollen, in einem Viertel der untersuchten Filme spielen doppelt so viele Männer wie Frauen.

Stieve schlägt ein einfaches Vorgehen vor, um ein solches Missverhältnis in Zukunft zu vermeiden, das sie Neropa nennt: Rollen, die von jedem Geschlecht gespielt werden könnten identifizieren und abwechselnd mit Schauspielerinnen und Schauspielern besetzen.

Sie sieht RegisseurInnen, ProduzentInnen, RedakteurInnen, Casting Directors in der Verantwortung – aber warum sollten wir Autorinnen und Autoren ihnen diese Arbeit machen (und unser Mitspracherecht an sie abgeben)? Die Figuren unseres Drehbuchs auf ihr Geschlecht hin zu überprüfen und gegebenfalls anzupassen dürfte bei guter Planung und Aufmerksamkeit während des Schreibens kein Problem sein. Und ist selbst bei nachträglicher Korrektur kein Aufwand im Vergleich zu dem, das Ganze erst geschrieben zu haben. Bitte anwenden!

Außerdem lesen: Luvy V. Hay – Stop Saying “Diversity”. Start Writing VARIETY!

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