Erster Eindruck: Der unverhoffte Charme des Geldes

Man muss ja immer einige Jahre auf einen neuen Film des Franko-Kanadiers Denys Arcand warten. Inzwischen ist er 78 Jahre alt und es ist hoffentlich nicht sein letzter. Denn mit diesem Film ist er ganz nah bei der Jugend und am Zeitgeist. Wie immer wird dieser Zeitgeist intelligent kritisiert: der Neoliberalismus, der durch das Nachbarland Amerika bestimmt ist. Man kann sagen: Denys Arcands ständiger Hauptfeind. Auch deshalb empfindet man seine Filme ideologisch und ästhetisch als eher europäisch.

Das Besondere nun an diesem Film ist, dass es gelingt, in 123 Minuten mehrere Genres zu bedienen und trotzdem einen ganz schlüssigen Handlungsverlauf herzustellen. Ich habe in meinem Berufsleben als Dramaturg Genrereinheit immer für ein Übel gehalten – weil das Leben auch nicht „genrerein“ ist.

Also: zunächst ist der Film eine besondere Art von Heist-Movie. Hier wird nicht raffiniert geklaut. Sondern zufällig ,Bekommenes‘, sehr beträchtliches Geld muss intelligent in Sicherheit gebracht werden. Verhindern wollen das zwei clevere Polizisten, die aber immer um einen Tick zu spät kommen. Ab Minute 100 zittert man, dass es den Bullen nicht gelingen möge. Dieses Mal will man nicht die prinzipielle Gerechtigkeit, weil das Geld, und da wird es zu einer Robin-Hood-Geschichte, den Armen zugute kommen soll. Es scheint aber nur ein Märchen zu sein.

Denn der Film ist in wenigen, großartig eingefangenen Momenten auch ein Sozialdrama. Wie überall auf der Welt sind auch hier in Montreal Arme, Obdachlose, Penner und Tafel zu sehen. Aber mit großer Empathie beobachtet und diese Armen haben – sorry, hier darf man mal spoilern – die letzten Bilder des Filmes. Das gibt Sicherheit in der Aussage!

Es ist auch, kurz und knapp eine Art Banken-Thriller. Wie man diese Summe Geld waschen und in Sicherheit bringen will, dazu braucht man einen Spitzen-Banker. Und wenn wir sehen, wie so was gemacht wird, auf internationalen Monitoren, dann kann einem schon schlecht werden: diese unregulierte Macht des Finanzkapitals.

Wie kommt nun dieser Banker auf die gute Seite des Filmes? – Und da sind wir voll in einer romantischen Komödie. Unser Held, ein Doktor der Philosophie, der in einer genialen 5-Minuten-Dialog-Exposition von seiner Freundin verlassen wird, versucht es dann mit einer Internet-Prostituierten, die sich mit dem Namen einer griechischen Philosophin anpreist. Der Banker war mal ihr Kunde. Das Netz-Dating entwickelt sich zu eine rührenden Liebesgeschichte: ein philosophisch fundierter Gutmensch und eine Edelprostituierte, verifiziert durch eine wunderbare Schauspielerin.

Es ist übrigens auch noch eine Mafia-Geschichte mit hohem Gewaltpotential. Wie ein guter Film sein soll: unterhaltsam, klug, spannend und doch ernst gemeint.

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