Erster Eindruck: Honig im Kopf

Aktuelle Kinofilme dramaturgisch zu untersuchen ist schwierig, weil wir sie dafür eigentlich mehrfach sehen müssten. Dafür fehlen die Ressourcen und manchmal die Geduld. Deshalb ein kurzer erster dramaturgischer Eindruck, der weder umfassende Vollständigkeit, noch analytische Detailtiefe verspricht – dafür spontane Ehrlichkeit und die Konzentration aufs Wesentliche. Das Format ist so neu wie das Jahr, heute … Weiterlesen

Liebe filmschreiben.de, frohe Weihnachten!

Wir wünschen euch ein frohes Fest und einen guten mutigen Sprung über die Schwelle ins neue Jahr! (Na gut, ihr habt wohl keine Wahl. Das macht den Jahreswechsel vielleicht dramaturgisch stärker, könnte aber später im Jahr zu einer dramaturgischen Schwäche führen, wenn ihr euch beschwert, ihr hättet euch 2015 ja nicht ausgesucht – und Recht … Weiterlesen

Projekt: Erzählmodelle vergleichen und verstehen

Mit einer neuen Seite bei filmschreiben.de wollen wir Erzählstrukturen vergleichen und verstehen. Denn es gibt viele Strukturmodelle, die uns beim Erzählen helfen können. Die Bekannteste ist wohl Christopher Voglers Heldenreise. Diese Modelle so anzuwenden, dass sie dem Autoren helfen, anstatt ihn in seiner Kreativität zu behindern und ihn einzuzwängen ist eigentlich einfach – und dann … Weiterlesen

Schlecht sein dürfen

Ob man gute oder schlechte Geschichten schreibt, erfolgreich oder erfolglos ist, Spaß am Entwickeln und Schreiben hat oder immer wieder frustriert davon ist, hängt weniger vom dramaturgischen Wissen und noch weniger vom Talent ab als vielmehr von der geistigen Einstellung, der Haltung dem Schreiben, aber vor allem sich selbst gegenüber.

Bei vielen Autorinnen und Autoren herrscht ein enormer Perfektionismus einhergehend mit einem gerne lauten inneren Kritiker. Perfekt sein zu wollen in einem Gebiet, in dem es keine Perfektion gibt, in dem keine objektiven Maßstäbe Qualität messen können, sondern das Geschmäcklerische viel zu oft dominiert (und leider viel zu oft mit dramaturgischen Argumenten und objektiven Kriterien verwechselt wird), ist gelinde gesagt ungünstig. Es gibt keine perfekte Geschichte, keinen perfekten Roman und keinen perfekten Film. Was also tun mit dem hauseigenen Perfektionismus?

Den inneren Kritiker bekämpfen macht keinen Sinn. Zumal er eine wichtige Funktion hat. Wir brauchen ihn. Nur eben zur richtigen Zeit. Und die ist nicht, wenn man gerade schöpferisch ist, Ideen generiert, den Flow entfacht. Hier bremst er nur aus. Später wird er wichtig, wenn es gilt, die Ideen zu bewerten und die beste zu finden. Man muss also wissen, in welcher Phase des kreativen Prozesses man sich gerade befindet, und den inneren Kritiker bitten, in der schöpferischen Phase die Klappe zu halten.

Eine andere sehr gute Möglichkeit, nicht nur einen produktiven Umgang mit dem inneren Kritiker zu finden, ist das Führen eines Arbeitsjournals. Das Arbeitsjournal ist eine Art Tagebuch, in dem man sein Arbeiten dokumentiert. Hier kann man dem inneren Kritiker freien Lauf lassen, hier darf er sich auskotzen, und nachdem er es getan hat, ist in der Regel auch erst einmal Ruhe für eine Weile. Sich frei schreiben, Belastendes, Ärgerliches, den ganzen Alltags- und sonstigen Mist wegschreiben, darum geht es im Arbeitsjournal.

Was aber geradezu unerlässlich ist, um einen guten Umgang mit dem inneren Kritiker und vor allem mit sich selbst zu finden, ist eine Erlaubnis, die man sich geben sollte, nämlich die Erlaubnis, schlecht sein zu dürfen. Es macht keinen Sinn, permanent gut sein zu wollen. Wer immer gut sein will, dem ist nie etwas gut genug. Man muss sich deshalb die Erlaubnis geben, schlecht sein zu dürfen. Dann kann sich fast die gesamte Schreibwelt auf den Kopf stellen. Man ist entspannter und hat mehr Spaß am Schreiben. Ohne sich groß Gedanken zu machen, einfach drauf los schreiben. Schreiben um des Schreibens Willen. Es ist egal, was dabei herauskommt. Denn man darf schlecht sein. Das Paradoxe ist: Meistens ist das, was dabei herauskommt, ziemlich gut, besser jedenfalls als das, was heraus gekommen wäre, wenn man krampfhaft versucht hätte, gut zu sein.

Schlecht sein gehört zum kreativen Geschäft. Das ist in jedem künstlerischen Beruf so. Autorinnen und Autoren sind keine Maschinen. Es läuft nicht immer gut. Manchmal läuft es super, manchmal beschissen. Und es geht darum, die beschissenen Tage zu genießen, locker zu bleiben, sich zu sagen, okay, heute ist ein Misttag, dann mache ich halt, was geht und überarbeite es morgen, nichts ist verloren.

Vor allem sind solche Tage kein Grund, an sich selbst zu zweifeln, am eigenen Talent, an der eigenen Kreativität. Das wäre der falscheste Fehlschluss überhaupt. Und es würde den inneren Kritiker bestätigen und ihm sogar auf lange Sicht zum Sieg verhelfen. Denn die Konsequenz wäre, irgendwann das Schreiben aufzugeben.

Welche Erfahrungen haben Sie mit dem inneren Kritiker? Ist er wild und ungestüm oder arbeitet er mit Ihnen zusammen? Schreiben Sie uns. Es interessiert uns. Und viele andere Leserinnen und Leser sicher auch.

Theorie tl;dr: Über die Pflege unserer Kreativität

Taos Mtn. from El Prado. Author: Laura from Satellite Beach, USA

Too long; didn’t read: Texte aus Drehbuch-, Film- und Welttheorie, kurz, knapp, bündig zusammengefasst und auf ihren Wert fürs filmschreiben hin geprüft. Heute das Kapitel „The Basic Tools“ aus dem Selbsthilfebuch The Artist’s Way (Wikipedia (en)) von Julia Cameron (Wikipedia (en)). In 140 Zeichen (Was ist das?): Julia Cameron: Kreativität ist eine Quelle in uns, … Weiterlesen

Link: Steven Spielberg vs. Alfred Hitchcock

Entschuldigt die kleine Link-Flut, morgen gibts wie üblich mit Theorie tl;dr wieder original content. Das kann ich euch nicht vorenthalten: Steven Spielberg vs. Alfred Hitchcock aus der Reihe Epic Rap Battles of History (Video) der beiden YouTuber Nice Peter und EpicLLOYD. Spielberg: I rock the Academy and the DGA / You rock as many Oscars … Weiterlesen

Link: Das Gesetz der Serie

Serien wie „Mad Men“ oder „House of Cards“ sind weniger Plot-getrieben als ältere Vorgänger und legen den Akzent eher auf eine panoramatische Gesamtbetrachtung eines bestimmten Milieus, sie sind ein additiver Gesellschaftsroman, die zeitgenössische Comédie humaine. Der Serie ist also das Kunststück gelungen, gleichermaßen innovativ wie traditionsgebunden zu sein, indem sie eingeführte ästhetische Strategien auf ein … Weiterlesen

Wie funktionieren Liebesgeschichten? – Das Erzählmuster “Geopferte Liebe“

Das Szenario der geopferten Liebe ist ein populäres und sehr erfolgreiches Erzählmuster. Filme und Romane, die diesem Muster folgen sind beispielsweise Die Brücken am Fluss (Roman von Robert James Wallner, 1992; Film von Clint Eastwood, Drehbuch: Richard LaGravenese, 1995), Der Pferdeflüsterer (Roman von Nicholas Evans, 1995; Film von Robert Redford, Drehbuch: Eric Roth und Richard … Weiterlesen

Erzählen durch Videospiel

Videospiele erzählen durch Worte, Bilder und Bildschnitt wie Filme. Und durch ihre Spielmechanik, vor allem durch ihre Spielmechanik. Vielleicht hat jedes Medium so eine maßgebliche Erzählform – die Literatur das Wort, die Malerei das Bild, der Film den Schnitt (s. Eisenstein) –, eine maßgebliche Sprache, in der es zu dem Rezipienten spricht. Und daneben stehen … Weiterlesen

Theorie tl;dr: Über Gärten, die erzählen

Too long; didn’t read: Texte aus Drehbuch-, Film- und Welttheorie, kurz, knapp, bündig zusammengefasst und auf ihren Wert fürs filmschreiben hin geprüft. Heute das Thesis Book The Art of Designing a Meaningful Landscape through Storytelling von Keli L. Garman. In 140 Zeichen (Was ist das?): Keli L. Garman: Die große Aufgabe von Landschaftsarchitektur ist es, … Weiterlesen

Grundlagen II: Was ist eine Geschichte und wie funktioniert sie?

Drei Antworten auf die Frage, was eine Geschichte ist und wie sie funktioniert: Die Antwort der figurenzentrierten Dramaturgie: Eine Geschichte ist ein dreidimensionales Abbild des Menschseins. Sie erzählt von Veränderungen in drei Welten: der äußeren Welt der Handlungen, der emotionalen Welt der Beziehungen und der inneren Welt der Identität. Und von den wechselseitigen Abhängigkeiten dieser … Weiterlesen