Hätte, Wenn und Aber: Klare Entscheidungen treffen

Solange wir am Plot unseres Drehbuchs bauen und Stellschrauben drehen, sind wir auf der sicheren Seite: Eigentlich macht die Story einen guten Eindruck, und im Grunde sollte sie funktionieren. Wenn da nicht noch diese Stellen wären, an denen wir uns nicht ganz sicher sind, ob wir wirklich auf der richtigen Fährte sind. Hat der Protagonist an Stelle X die richtige Entscheidung getroffen? Haben wir den B-Plot bis ins letzte Detail durchdacht? Sollten wir die Auflösung des Konflikts nicht doch noch etwas verändern?

Wenn wir damit beginnen, unseren Plot in die fertige Form eines Drehbuchs zu pressen, fällt uns häufig auf, dass an verdammt vielen Stellen noch ein Konjunktiv steht – vielleicht nicht unbedingt im Manuskript oder unserem Exposé selbst, spätestens aber im Kopf. Wörtchen wie „hätte“, „sollte“ und „könnte“ sind leider tödlich, wenn es um das Ausformulieren eines Drehbuchs geht: Sie behindern uns, wo sie nur können, denn sie zeigen uns genau die Stellen auf, an denen wir uns in der bisherigen Entwicklung gegen klare Entscheidungen gewehrt bzw. diese auf einen späteren Zeitpunkt verschoben haben.

Dieser Zeitpunkt ist spätestens Jetzt! Denn wie sollen wir ein (überzeugendes) Drehbuch schreiben, wenn wir selbst noch gar nicht wissen, wo die Reise an Stelle X, Y und Z hingeht?

Ohne Entscheidungen entsteht kein klarer Plot

Die gute Nachricht: Entscheidungen treffen ist gar nicht so schwer, wenn wir uns erst mal darauf einlassen. Die schlechte: Manchmal sorgt eine Entscheidung dafür, dass etwas mit unserer Geschichte passiert, das wir nicht eingeplant haben. Sie nimmt eine neue Wendung, einen neuen Weg. Führt uns an einen Ort, den wir nicht eingeplant hatten. Und da haben wir dann den Salat: Mit Hätte, Wenn und Aber schreibt man kein Drehbuch.

Merken wir also beim Schreiben der ersten Szenen, dass wir noch ungeklärte Fragen notiert haben, ist es Zeit für eine Schreibpause. Zeit, Entscheidungen zu treffen!

Das Ziel: Eine Story, die in sich stimmig ist

Eigentlich sollten wir die losen Enden unserer Geschichte längst aufgedröselt haben. Trotzdem passiert es aber immer wieder (und das ist natürlich auch kein Beinbruch), dass beim Schreiben des Drehbuchs plötzlich Fragen auftreten oder im Exposé eine noch unklare Stelle markiert ist. Bevor wir also eine Drehbuchfassung für die Tonne schreiben, müssen wir entscheiden, wie die Geschichte verlaufen soll.

Der Luxus des Autorendaseins kann in einem solchen Moment eine ganz schöne Qual sein: Sind wir nicht die Schöpfer unserer Geschichten? Dürfen wir nicht über das Schicksal unserer Figuren, über Leben und Tod entscheiden? Ja, dürfen wir. Und trotzdem müssen wir uns an die innere Logik unserer Story und der Welt, in der sie spielt, halten. Die Geschichte muss in sich stimmig sein und die Handlungsstränge plausibel. Darüber hinaus aber sind wir frei, um mit unseren Entscheidungen den Verlauf der Story zu gestalten. Manchmal nimmt die Geschichte uns Entscheidungen ab, wenn wir die Zügel locker lassen und unseren Figuren durch ihre Welt folgen. Und manchmal ist es an uns, die Zügel anzuziehen und den Handlungsverlauf zu beeinflussen, damit nichts aus dem Ruder läuft.

Falsche Entscheidung getroffen? Auch okay.

Entscheidungen sind also wichtig, um unsere Geschichte fest zu umreißen und dem Zufall keine Chance zu lassen. Trotzdem sind aber auch einmal gefällte Entscheidungen niemals in Stein gemeißelt. Wenn wir feststellen, dass ein Handlungselement gar nicht so richtig in die innere Logik unserer Geschichte passt, haben wir die Freiheit, unsere Entscheidung rückgängig zu machen und Veränderungen vorzunehmen. Anpassen ist auch in späteren Stadien des Drehbuchschreibens möglich und nötig, wenn wir uns etwa zu weit vom Kern unserer Story entfernt haben.

Um aber ins Schreiben zu kommen und die erste Fassung auf den Tisch zu legen, sollten wir uns an eine Faustregel halten: Eine der Varianten, die möglich (und logisch) sind, sollten wir auserzählen. Stellt sich hinterher heraus, dass wir die falsche Variante gewählt haben, geht es dann eben ans anpassen. Hauptsache aber, wir haben unsere Geschichte nicht mit einem schwammigen Konjunktiv erzählt.

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