Logline & Outline formulieren: Die Story greifbar machen

In den vergangenen Wochen haben wir uns mit der Suche nach Ideen und der Festlegung eines Themas auseinandergesetzt. Es gibt viele verschiedene Techniken und Ansätze, um die richtige Idee für ein Drehbuchprojekt zu finden, und jeder Drehbuchautor hat seine eigenen Präferenzen, welche Methode für ihn am besten funktioniert. Ich für meinen Teil mag die Abwechslung und gehe mal diesen, mal einen anderen Weg.

Von Morgenseiten bis zu den Tücken, denen jeder Autor bei der Stoffentwicklung begegnet, haben wir eine Reihe von Ansätzen vorgestellt, erste Ideen zu einem Thema bzw. einer Prämisse zu formen. Zeit, die Story greifbarer zu machen!

Idee, Prämisse, Thema – und dann?

Wer schon ein alter Hase im Drehbuchgeschäft ist, mag das große Gähnen kriegen, wenn er die Stichworte Logline und Outline hört – aber ich für meinen Teil beschäftige mich immer mal wieder gerne mit den Techniken. Irgendwie findet man doch immer wieder einen neuen Aspekt, den man zuvor nicht beachtet hat – deshalb lese ich immer mal wieder auch gerne in die üblichen Verdächtigen rein.

Die Idee ist also da, eine Prämisse als Folie für die Erzählung entwickelt und das Thema gefunden. Also ran an die Tasten, und die erste Szene geschrieben? Äh… Moment… Da war noch was… Genau: Die gute alte Logline.

Die Logline – A Very Short Version of Events

In wenigen Zeilen, manchmal sogar nur in einem einzigen Satz, fasst die Logline die Handlung der Geschichte zusammen und bringt auf den Punkt, wer die Hauptfigur ist, was sie erreichen will und was der Grundkonflikt der Story ist. Zugegeben: In einem Satz schaffe ich das nur selten. Aber die Handlung auf 1-3 Sätze zu komprimieren, hilft ungemein und überprüft ganz nebenbei, ob man auf der richtigen Fährte ist.

Anders als das Treatment enthält die Logline übrigens noch nicht das Ende der Handlung. Kurz zusammengefasst sollten wir folgende Punkte in der Logline unterbringen:

  • das Genre
  • die Hauptfigur
  • das Ziel der Hauptfigur
  • das Hindernis, das die Hauptfigur auf dem Weg zum Ziel überwinden muss
  • das Thema der Geschichte

Der große Meister, der der Logline ganze Kapitel widmet, ist der gute alte Blake Snyder, der mit seinem Drehbuchratgeber Save the Cat die Massen spaltet. Die einen lieben es, die anderes hassen es. Und auch wenn er ein bisschen zu gewollt Prinzipien reitet, hat er doch nicht unrecht: Mit der Qualität der Logline steht und fällt ein Pitch.

Warum? Die Logline ist das, was Produzenten oder Sender als erstes sehen und lesen, wenn sie ein Pitch Paper erhalten. An dieser Stelle entscheidet sich häufig schon, ob der Stoff sie interessiert oder eben nicht. Wenn wir es also nicht schaffen, unsere Story präzise in wenigen Sätzen zusammenzufassen und den Grundkonflikt herauszustellen, müssen wir noch an der Story ODER an der Logline feilen.

Übrigens ist die Logline nicht nur für den Pitch selbst wichtig. Auch für das eigene Arbeiten am Stoff ist sie unglaublich hilfreich, denn sie hilft uns dabei, die wesentlichen Punkte der Handlung herauszuarbeiten und darauf aufzubauen.

Die Outline: Kurz, knackig und präzise

Unter einer Outline versteht jeder etwas anderes:

  • Kurzzusammenfassung (nicht länger als eine Drittel-Seite)
  • Step-Outline (Liste aller dramaturgischen Schritte der Handlung)
  • Szenen-Outline (Auflistung aller Szenen mit einer kurzen Beschreibung)

Da wir uns mit der Erstellung der Logline noch ganz am Beginn des Prozesses befinden, in dem wir die Handlung greifbar machen, beschränke ich mich heute auf die Kurzzusammenfassung, die eine Ausweitung der Logline darstellt und aus 10 Punkten bestehen kann. Während die ersten fünf Punkte mit dem Grundkonflikt im Grunde die wesentlichen Informationen des 1. Akts zusammenfassen, schließt die Outline die Ereignisse des 2. und 3. Akts mit ein und kann bereits die Auflösung verraten (das geht natürlich auch bei 4 oder 5 Akten). Schließlich ist die Outline ein Arbeitswerkzeug, das sich nach und nach ausweiten lässt.

Zu den Punkten, die wir in der Outline als Kurzzusammenfassung versammeln können, zählen:

  • Plot Point 1: Die Hauptfigur macht sich auf die Reise, ihr Ziel zu erfüllen.
  • Midpoint: Der große Wendepunkt, an dem sich für die Hauptfigur alles verändert.
  • Die Hauptfigur reagiert auf die Ereignisse, weitere Hindernisse erschweren den Weg bis hin zum Plot Point 2, oder dem „All-is-lost“-Moment.
  • Was veranlasst die Hauptfigur, weiterzumachen? Inwieweit ändert sie ihre Einstellung, um ihr Ziel doch noch zu erreichen?
  • Die Auflösung: Das Ende der Handlung sollte zum Genre passen. Der Kreis ist geschlossen.

Das alles passt in einen Absatz und fasst doch ganz wunderbar präzise die wichtigsten Punkte zusammen, die zur Handlung unserer Story gehören. In dieser Präzision zu formulieren fällt vielen Autoren schwer, aber es ist ein Werkzeug, die eigene Handlung besser zu verstehen und einschätzen zu können, ob die Story funktioniert und welches Thema sich dahinter verbirgt.

Ein Kommentar bisher - Was sagst du?

  1. Vielen Dank für diesen informativen Artikel!
    Bei der Logline wird immer wieder ein wichtiger Aspekt vergessen. Die Fallhöhe/ was auf dem Spiel steht.
    Wir erzählen Geschichten über Figuren, die etwas zu verlieren haben. Ein wesentliche Aspekt, der eine Geschichte spannend macht. Je mehr auf dem Spiel steht desto spannender wird es (natürlich gepaart mit dem Risiko).
    Schön ist, dass die Logline hier auch als Werkzeug für das Schreiben gesehen wird, nicht nur als Überzeugung.

    10. Mai 2016

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