Schreibroutine – das Schreiben zur Gewohnheit machen

Mit dem Schreiben ist es so eine Sache: Den einen geht es leicht von der Hand, andere müssen sich quälen, um am Ende fertige Worte und Seiten vorweisen zu können. Ich spreche nicht ganz allgemein über das Schreiben, das auch die Entwicklung einer Geschichte umfasst. Nein, mir geht es heute um den simplen, rohen Prozess des Wort-an-Wort-Reihens, des Tippens-bis-die-Finger-bluten, kurz: um das Schreiben als ganz konkrete Handlung.

Vielen Autoren geht das Schreiben leicht von der Hand, und umso mehr, wenn das Projekt, an dem sie arbeiten, spannend ist und sie wirklich begeistert. Solche Phasen kenne ich: Dann brennt es mir unter den Nägeln, die Geschichte rauszuhauen, sie loszuwerden – nicht mehr aufhören zu wollen, bis das letzte Wort geschrieben ist.

Ich kenne aber auch andere Phasen: Wenn jedes Wort, das ich schreibe, sich falsch anfühlt, wenn einfach kein gerader Satz fließt, oder noch schlimmer, wenn ich stumpf vor dem Bildschirm oder einem Blatt Papier sitze und gar nichts aus mir herauskommen will. Im Einzelfall mag das ja noch vertretbar sein – jeder hat mal einen schlechten Tag, und nicht immer fluppt es gleich beim ersten Versuch. Geht es aber am nächsten Tag so weiter, besteht die Gefahr einer klassischen Schreibblockade, und ist die erst mal eingetreten, geht bekanntermaßen erst mal gar nichts mehr.

Schreibblockade vermeiden

Dass eine Schreibblockade zum Problem wird, kann mit der richtigen Herangehensweise weitgehend vermieden werden. „Richtig“ meint in diesem Fall aber keineswegs, dass es nur eine richtige Art und Weise gibt; vielmehr muss jeder Drehbuchautor (und Romanautor) seinen eigenen Weg finden, mit dem Schreibpensum eines Projekts umzugehen. Ein solcher Weg ist das Aufbauen einer Schreibroutine. Viele reden darüber und während sie für einige der einzige Weg zum regelmäßigen Schreiben und zum Erreichen von Deadlines und Zielen ist, mag sie für andere weitgehend überflüssig sein.

Schreibroutine entwickeln

Das Geheimnis einer Schreibroutine besteht darin, dass wir mit ihr die Möglichkeit haben, das Schreiben fest in unseren Alltag zu integrieren. Die Möglichkeiten, wie unsere Schreibroutine aussehen kann, sind dabei vielfältig: Wir können einen festen Zeitrahmen einplanen, der für das Schreiben da sein soll, und NUR dafür; ein Mal täglich, jeden zweiten Tag, fünf Mal die Woche, die Varianten sind zahlreich. Auch der Umfang ist beliebig: Eine halbe Stunde kann schon ausreichen, um eine Regelmäßigkeit herzustellen, nach oben sind keine Grenzen gesetzt. Wer sich nicht auf einen Zeitraum verlassen will, nimmt sich stattdessen eine feste Wort- oder Seitenanzahl vor, die erledigt sein muss, bevor der Schreibtisch verlassen werden darf.

Sobald wir das Schreiben fest im Alltag verankert haben, gehört es zu unserer täglichen Routine, so wie das Zähneputzen, die erste Tasse Kaffee am Morgen oder die halbe Stunde Fernsehen vor dem Schlafengehen – wir haben uns daran gewöhnt und nicht zuletzt hat jede dieser Handlungen einen Sinn für uns. Genauso müssen wir es mit dem Schreiben halten.

Das Schreiben zur Gewohnheit machen

Der Mensch ist nun mal ein Gewohnheitstier. Was man uns antrainiert, das ziehen wir durch, solange wir dahinter einen Sinn erkennen können. Das Gute ist, dass wir uns auch selbst trainieren können.

Um das Schreiben zur Gewohnheit zu machen, müssen wir nicht zwingend gerade an einem großen Projekt sitzen, etwa an einer Serienbibel oder einem Spielfilmdrehbuch. Auch wenn wir gerade kein konkretes Projekt verfolgen, können wir unsere Schreibroutine trainieren, vielleicht sogar besser als zu einem Zeitpunkt, an dem eine Deadline droht und sowieso jede Routine unseres Alltags aus dem Ruder wirft.

Die Zeit, die wir uns zum Schreiben nehmen, uns gewissermaßen selbst auferlegen, gibt uns die Muße, uns auch mit nicht so drängenden Projekten zu beschäftigen. Ob es das Schreiben sogenannter Morgenseiten ist, die zur Entwicklung ganz neuer Stoffe führen kann, oder ob wir uns vornehmen, jeden Tag eine bestimmte Anzahl Wörter an einem konkreten, wenn auch noch nicht spruchreifen Stoff zu arbeiten – wenn das Schreiben zur Gewohnheit wird (oder schon geworden ist), fällt es uns dann auch nicht mehr so schwer, jeden Tag eine bestimmte Anzahl an Seiten oder Wörtern für ein Drehbuch, also ein ungleich größeres Projekt, zu schreiben.

Konkrete und realistische Ziele

Als Autoren leben wir für das Schreiben. Es ist im besten Falle unser Lebenselixier, und trotzdem landen wir ab und zu in der Schreibblockaden-Falle. Und obwohl wir am Anfang eines Projekt eigentlich genügend Zeit eingeplant haben, drohen wir am Ende die gesetzte Deadline nicht einhalten zu können. Das ist schlimm, wenn wir uns selbst diese Deadline gesetzt haben. Noch schlimmer ist es, wenn wir eine von außen gesetzte Deadline einer Produktionsfirma oder eines Senders nicht einhalten. Ich persönlich hasse diese letzten Tage vor der Abgabe, an denen ich dann auf einmal Vollgas geben muss und die Nächte durchschreibe. Ich bin enttäuscht, wenn ich eine mir selbst gesetzte Deadline verstreichen lasse. Und dabei würde ich am liebsten immer mit dem gleichen, gemäßigten Tempo vorankommen, ohne mir am Ende selbst Stress machen zu müssen.

Das Beispiel der Schreibroutine zeigt, dass das geht, vorausgesetzt wir setzen uns Ziele, die einerseits konkret und andererseits realistisch sind. Sind meine Ziele nicht konkret, verwässert die Routine, denn ich habe keinen Grund, auf dem ich bauen kann. Stecke ich mein Ziel zu hoch, ist es gar nicht zu erreichen und sorgt für Frustration. Schreibroutine ist für mich ein Mittel zum Zweck, das ich gern aus einer besonderen Perspektive betrachte: Ich kann, nein, DARF mir jeden Tag Zeit für mein geliebtes Schreiben nehmen, und dieses Geschenk innerhalb der Alltagsroutine ermöglicht mir, meine Ziele dann auch wirklich zu erreichen.

 

 

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