Theorie tl;dr: Über einen Genre-Autor

Too long; didn’t read: Texte aus Drehbuch-, Film- und Welttheorie, kurz, knapp, bündig zusammengefasst und auf ihren Wert fürs filmschreiben hin geprüft. Heute das Kapitel »Epilog. Leones Einfluss auf die Filmgeschichte« aus Sergio Leone. Es war einmal in Europa von Harald Steinwender.

In 140 Zeichen (Was ist das?):

Harald Steinwender: So wie Sergio #Leone #Film vielfältig zitierte, verweisen heute viele verschiedene Filme und Filmemacher auf Leones Werk — filmschreiben (@filmschreiben) 9. Juni 2016

In 50 Worten (Was ist das?): Seine »Spurensuche« nach Verweisen auf das Werk Leones könne nur eine Annäherung an seine Bedeutung für die Filmgeschichte sein, sagt Harald Steinwender, kommt aber zu dem Ergebnis, dass Leone Genres und Regisseure tief beeinflusst hat, auch wenn wir ihn immer noch meist bloß aus oberflächlichen Zitaten und den Klischees erkennen.

Die Erkenntnis: Steinwender bedauert, dass Sergio Leone bisher zu wenig als Regisseur gewürdigt würde – zumindest von der Filmwissenschaft, er führt eine Vielzahl Regisseure an, die sich auf ihn beziehen (s.u.) und beschreibt Leone als director’s director – eine Auseinandersetzung mit Leone als Autor bleibt aber leider fast aus.

Denn Leone war ja auch das: Autor und Co-Autor der zugrundeliegenden Ideen und Geschichten seiner Filme und Mitautor am Drehbuch. Seine Writing Credits in der imdb umfassen mehrfach „Idea“, „Story“ bzw. „from a story by“, „Scenario“ und „Screenplay“. Anders ist das bei seinen Filmen wohl auch kaum zu denken.

Immerhin drei Drehbuchautoren werden in Steinwenders „Epilog“, dem Kapitel, dass sich mit dem Einfluss Leones und seiner Resonanz auseinandersetzt genannt: Paul Schrader, der in einem journalistischen Artikel Leone in seinen Filmkanon aufnahm. William Goldman, der in seinem Drehbuch zu Maverick bloß auf Leones Closeups verweist. Und John Milius, der immerhin beschreibt, wie intensiv er und seine Filmschul-Kommilitonen (u.a. George Lucas) sich mit Leones Filmen befasst hätten.

Dabei ist immer wieder von der besonderen Erzählweise Leones die Rede, und das muss doch durchaus auch für Drehbuchautoren interessant sein. Immerhin zwei Reaktionen wird es auf Filmschreiben geben: Eine Filmgeschichte der Autoren zu erzählen wird scheinbar immer notwendiger; und eine Analyse von Es war einmal in Amerika wird mindestens wegen der Flashbackerzählung hochinteressant.

Das Zitat:

Einem Kino, dem die gesamte Filmgeschichte als Zitatenlager dient, muss Leones Werk schon vor seiner kritischen und akademischen Kanonisierung ein zentraler Bezugspunkt gewesen sein. Immer wieder finden sich in solchen Filmen regelrechte Bild-für-Bild-Nachstellungen der zeremoniellen Duell-Situationen Leones, manchmal aber auch Schlenker oder Gesten, mit denen im Sinne einer Hommage à Leone auf dessen Werk verwiesen wird.

Von besonderem Interesse sind vielleicht die Regisseure, bei denen Steinwender einen Bezug auf Leone sieht, darunter natürlich Clint Eastwood, Robert De Niro und Dario Argento; die wohl üblichen Verdächtigen Quentin Tarantino, Robert Rodriguez, Brian De Palma und die Coen-Brüder; Sam Peckinpah, Martin Scorsese, John Carpenter, Danny DeVito, Walter Hill, Richard Fleischer, Terry Gilliam; David Cronenberg; Russell Mulcahy, George Miller; Bruce Lee, John Woo; Guy Ritchie; Nils Gaup; Roman Polanski; Jean-Pierre Jeunet; Roland Klick und Rainer Werner Fassbinder.

Das letzte Wort:

Leone ist – und das zeigt sich insbesondere im Blick auf die akademische Kanonisierung der Filmgeschichte – noch immer ein oft ignorierter Regisseur. Es verwundert daher kaum, dass in einem als repräsentativ vorgesehenen Filmkanon wie dem der Bundeszentrale für politische Bildung (2003) kein Film Leones vertreten ist.

Harald Steinwender: Sergio Leone. Es war einmal in Europa.

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