Hannes Jaenicke im Deutschlandfunk-Gespräch

Der Schauspieler, Dokumentarfilmer und Naturschutzaktivist Hannes Jaenicke hat in einem Deutschlandfunk-Gespräch interessante Thesen aufgestellt:

1. Film ist die überlegene amerikanische Kunst: wegen Hollywood, wegen der deutsch-jüdischen Emigranten der 20er und 30er-Jahre, wegen der Professionalität, die von Autoren, Schauspielern und Regisseuren verlangt und geleistet wird.

Jaenicke, Deutsch-Amerikaner, hat drüben in Filmen gespielt, aber nur kleine, wie er sagt, Bum-Bum-Rollen. Den großen amerikanischen Filmschauspielern hätte er nie das Wasser reichen können. Drehbücher hat er auch geschrieben, er meint aber, dass die Amis das besser können, weil es dort auf den Universitäten gelehrt und gelernt wird. Und zwar als Handwerk.

2. Die letzten drei deutschen Filme, in denen er gespielt hat, waren schlecht – weil die Drehbücher schlecht waren. Er hat die Angebote aber aus zwei Gründen angenommen. Weil er den Regisseur gut kannte und weil er meinte, man könne das Buch im Kontakt mit den Schauspielerkollegen verbessern. Viele meinen das, es geht aber nicht. Ein schlechtes Drehbuch ist am Set nicht zu retten.

3. Schauspiel, inklusive Theater, ist und bleibt sein erlernter und geliebter Beruf, mit dem er gerne seine Brötchen verdient. Auch um noch andere Sachen zu machen: Dokumentationen zum Thema Naturzerstörung. Da liegt sein Engagement. Dass er dafür im Netz bis hin zu Morddrohungen angegriffen wird, verstöre ihn, aber störe ihn nicht. Es seien ja die gleichen Idioten, die nicht wahrhaben wollen, was geschieht.

Um an die Drehorte seiner Filme mit seinem Team zu gelangen (Afrika, Norwegen z.B.) muss er fliegen. Er hat mal den ökologioschen Fußabdruck dafür ausrechnen lassen. Gewaltig. Aber es geht eben nicht anders, dafür fährt er dann in Deutschland Bahncard 50 und Fahrrad.

Hellhörig geworden bin ich, als ich seine Stimme im Radio hörte. Ich kenne Jaenicke aus meiner Arbeit als Dramaturg. In meinem Ebook Im Drehbuch-Dschungel habe ich darüber so berichtet:

Von Künstlern erwartet man, dass sie ein gutes Gefühl, Gespür, eine gute Nase haben. Das sie erspüren können, was sich unterschwellig gerade entwickelt. Ich habe ein Beispiel erlebt, das leider nie zu einem Film geführt hat. In den 90er-Jahren entwickelte der Schauspieler Hannes Jaenicke für eine Firma, für die ich arbeitete, eine unglaublich gute Geschichte, nämlich:

Als die Unternehmerin eines Kinderheimes, die, illegal, rumänische Waisen an deutsche Familien zur Adoption vermittelt, dahinter kommt, dass zwei dieser Waisen in Kinder-Pornos auftreten, ermordet sie diese „Eltern“, indem sie ihnen nicht nur Herzschüsse setzt, sondern auch Ihre Genitalien durchlöchert. Morde, die man vielleicht nicht als Jurist, aber als Mensch verstehen und sogar für angemessen halten kann.

Das war ein Krimi, in dem sich der Kommissar in die Täterin verliebt und sie laufen lässt. Es war ein atemberaubendes Buch, geschrieben bevor der Fall Dutroux Aufsehen erregte und der belgisch-holländische Kinderporno-Ring aufflog. Der Produzent glaubte nicht, dass das deutsche Fernsehen diesen Stoff realisieren würde und setzte auf Kino, mit den Worten: „bei mir muss ein Autor Geduld haben, 5 Jahre mindestens, bis es zu einer Realisierung kommt“.

Hätten wir den Film gemacht, wäre er genau in die Zeit gefallen, wo das Thema plötzlich in allen Zeitungen und in aller Munde war. Jaenicke, Deutsch-Amerikaner, nahm sein Buch und verkaufte es in Hollywood. Aber Hollywood kauft viele Bücher, um sie dann nicht zu machen: es war ja auch eine europäisch geprägte Story, für mich eine mit der gleichen emotionalen Wucht wie die klassische Medea-Geschichte.

Jaenickes Antwort: Lieber Michael, danke für das Lob. Das drehbuch (Cold Season) ist nie verfilmt worden, die Rechte liegen nach fünfjähriger Option durch eine amerikanische Firma wieder bei mir. Wüsste aber nicht wohin damit… wurschtle aber weiterhin und unermüdlich vor mich hin, und alle Schaltjahre kriege ich was verkauft. Betreibe aber seit zehn Jahren eine eigene Dokuproduktionsfirma, und das läuft erstaunlicherweise bombig, hauptsächlich dank Thomas Bellut beim ZDF.

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