Theorie tl;dr: Überwältigend

Too long; didn’t read: Texte aus Drehbuch-, Film- und Welttheorie, kurz, knapp, bündig zusammengefasst und auf ihren Wert fürs filmschreiben hin geprüft. Heute der Essay „Vorboten und Folgen von Metropolis: Flm und Architektur auf der Suche nach der modernen Stadt“ von Dietrich Neumann aus Filmarchitektur: Von Metropolis bis Blade Runner.

In 140 Zeichen (Was ist das?):

Dietrich Neumann: Fritz Langs #Metropolis reflektiert Ängste, Zweifel an der neuen Großstadt, diskutiert #Monument, #Hochhaus, #Architektur. — Arno (@filmschreiben) 23. Juli 2015

In 50 Worten (Was ist das?): In der Weimarer Zeit wurden urbane Probleme, soziale Unruhen, Generationenkonflikte, Zweifel an den Religionen, „technologische“ Ängste und Wünsche intensiv diskutiert – sowohl in der Politik als auch in der Architektur. Zum Beispiel anhand des Hochhauses und der Frage ihrer Monumentalität. Filme haben diese Debatten reflektiert, womöglich sogar Einfluss auf sie genommen.

Die Erkenntnis: Metropolis (Wikipedia) war nicht der erste Film, in dem zeitgenössische Ängste vor der neuen, industriellen Technologie, der neuen, industriellen, kapitalistischen Ordnung und den neuen, industriellen Großstädten formuliert wurde. Neumann nennt als Beispiele Algol (Wikipedia) und Aelita (W.). Metropolis war jedoch der in dieser Hinsicht intensivste, besonders mit Blick auf seine Architektur, und – wie sich noch herausstellen sollte – einflussreichste. Beispiele für diesen Einfluss sind bei Neumann High Treason (Wikipedia (en)), Just Imagine (W.), Batman (W.) und Blade Runner (W.).

In den Türmen von Metropolis wurde der überwältigende Eindruck amerikanischer Wolkenkratzer und Straßenschluchten mit der zeitgenössischen deutschen, konservativen Überlegung eines einzelnen Turmbaus, wie einer mittelalterlichen Kathedrale, verbunden. Und um als Verkörperung all der Ängste, als Monster, zu wirken, wurde die Stadt bei Lang und seiner Autorin Thea von Harbou zum quasi lebendigen Wesen, deren Orte und Räume Körperfunktionen erfüllen: Als Herz, Hände, Verstand.

Das Zitat: Nicht Neumann, sondern Neumann, der Kracauer zitiert –

»In Metropolis schien das gelähmte Kollektivbewusstsein mit ungewöhnlicher Klarheit im Schlaf zu reden. Das ist nicht nur eine Metapher: dank einer glücklichen Mischung von Aufnahmefähigkeit und Konfusion war Langs Drehbuchautorin, Thea von Harbou, nicht nur anfällig für alle Strömungen der Zeit, sondern schrieb wahllos herunter, was in ihrer Phantasie herumspukte. Metropolis war randvoll an unterirdischem Gehalt, der die Grenzen des Bewusstseins unverzollt, wie Konterbande, überschritt« […].

Von besonderem Interesse ist vielleicht – Manhattan: Sowohl auf Fritz Lang, der sich wohl grundsätzlich für Architektur interessierte, als auch etwas später auf Friedrich Wilhelm Murnau haben die Hochhäuser und Straßenschluchten, die Lichter und die Reklame einen großen, bleibenden Eindruck hinterlassen, den man in Metropolis bzw. Sunrise und City Girl sehen kann. Und noch einmal deutlich später muss Manhattan einen ähnlich starken Eindruck auf Ridley Scott gemacht haben, der als Grafiker nach New York kam, als Bühnenbildner nach England zurückkehrte und später Blade Runner drehte.

Das letzte Wort: Nicht Neumann, sondern Neumann, der Fritz Lang zitiert –

»Der Anblick New Yorks bei Nacht müsste genügen, um dieses Fanal der Schönheit zum Kernpunkt eines Films zu machen. Das blitzt auf, kreist in Rot, Blau und leuchtendem Weiß, schreit in Grün dazwischen und versinkt in schwarzem Nichts, um gleich darauf neugeboren wieder das Spiel der Farben zu erleben. Straßen, die Schächte voller Licht sind, voll drehendem, wirbelndem, kreisenden Licht, das wie ein Bekenntnis zu frohem Leben ist. Und darüber, himmelhoch über den Autos und Hochbahnen, tauchen Türme auf in Blau und Gold, in Weiß und Purpur, von Scheinwerfern aus dem Dunkel der Nacht gerissen. Reklame ragt noch höher, bis zu den Sternen, die diese an Licht und Glanz besiegen, lebend in immer neuen Variationen.«

Dietrich Neumann: Vorboten und Folgen von Metropolis. Flm und Architektur auf der Suche nach der modernen Stadt. Aus: Filmarchitektur. Von Metropolis bis Blade Runner. Herausgegeben von ihm selbst.

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