Theorie tl;dr: Über Theater als Instrument

Too long; didn’t read: Texte aus Drehbuch-, Film- und Welttheorie, kurz, knapp, bündig zusammengefasst und auf ihren Wert fürs filmschreiben hin geprüft. Heute Ausschnitte aus „Notizen zum dokumentarischen Theater“ von Peter Weiss.

In 140 Zeichen (Was ist das?):

In 50 Worten (Was ist das?): Das dokumentarische Theater ist ein Theater der Berichterstattung, beobachtet, kontrolliert, analysiert und kritisiert Zeugnisse und Dokumente der Gegenwart, wählt sie aus, montiert, konzentriert sie in Hinblick auf ein (meist politisches oder soziales) Thema, stellt Zusammenhänge und Muster her und dar, wird so zu einem Instrument politischer Meinungsbildung, zu politischem Theater.

Die Erkenntnis: Das Erzählung (und ich bin davon überzeugt, dass das nicht nur für dokumentarische Erzählung gilt) politisch ist. Falls ich mich damit wiederhole, entschuldigt bitte, die Texte für diese Reihe wähle ich spontan aus und nicht bewusst in Hinblick auf ein Thema. Erzählungen nehmen Einfluss auf unsere Meinung, im positiven Sinne, weil sie uns Erkenntnisse ermöglichen und oft Fremdes vermitteln und verständlich machen. Diese Macht bedeutet aber wie so oft Verantwortung (~Onkel Ben), und wir müssen aufmerksam auf ihren Missbrauch sein.

Darf ich einen Film empfehlen? Exit Through The Gift Shop, unter anderem darüber, dass das Auswählen die notwendige künstlerische Handlung ist.

Das Zitat:

Erst wenn es durch seine sondierende, kontrollierende, kritisierende Tätigkeit erfahrenen Wirklichkeitsstoff zum künstlerischen Mittel umfunktioniert hat, kann es volle Gültigkeit in der Auseinandersetzung mit der Realität gewinnen. Auf einer solchen Bühne kann das dramatische Werk zu einem Instrument politischer Meinungsbildung werden.

Von besonderem Interesse: Weiss sieht das dokumentarische Theater einem künstlichen „Dunkel“ gegenüber: Verschleierung, Wirklichkeitsfälschung und Lügen durch die Machthabenden mit Hilfe der Medien. Das klingt jetzt, fast 40 Jahre später, schmerzlich nach aktueller rechter Propaganda. Was uns noch einmal daran erinnern sollte, dass Radikalismus sich gerne in einem tatsächlichen Problem begründet. Und unsere Aufgabe als Vermittler noch einmal wichtiger werden lässt.

Das letzte Wort:

Das dokumentarische Theater tritt ein für die Alternative, dass die Wirklichkeit, so undurchschaubar sie sich auch macht, in jeder Hinsicht erklärt werden kann.

Peter Weiss: Notizen zum dokumentarischen Theater. Konnte ich in Ausschnitten lesen in: Manfred Brauneck: Theater im 20. Jahrhundert.

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